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IBOS (individuelle Berufsorientierung und Schule)
Schüler dieser Klasse haben bereits verschiedene Schulen,
Klassen und/oder Einrichtungen durchlaufen. Sie sind meist überaltert und die Schuljahre entsprechen selten den Schulbesuchsjahren. Oft liegen Phasen des Schulschwänzens vor einschließlich der
Verweigerungshaltung gegenüber allen schulischen Verpflichtungen. In der Regel bringen diese Schüler wenig bis keine Arbeitshaltung mit. Jeder kommt mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Schulerfahrungen in
die Klasse. Ihre Zielvorstellungen sind diffus, Leistungsbereitschaft scheint nicht mehr vorhanden, Lust auf Schule ist dem Frust und Stress in anderen Systemen gewichen. Das Sozialverhalten beschränkt sich auf
eigenes Überleben und alle Strategien, die dazugehören. Häufig sind Schüler durch kriminelle oder gewalttätige Aktivitäten sowie Drogenkonsum in anderen Systemen nicht mehr tragbar. Unter den Jugendlichen
gelten Werte wie "cool sein", "schlagfertig sein", "Drogenkonsum", "egal, wie sich jemand verhält, wir stehen zu ihm". Oft nehmen sie ihre Umwelt nicht realitätsbezogen
wahr, leben in ihrer eigenen Welt und finden schwer Zugang zur Realität. Unser Auftrag ist es, neben Vermittlung von Unterrichtsinhalten, Schüler in schulischen und lebensgestalterischen Bereichen zu fördern
und zu unterstützen. Regelmäßige Einzelberatungsgespräche für Schüler mit Lehrern und Schulsozialarbeitern sind ein Medium, Perspektiven mit dem Schüler zu erarbeiten. Dies beinhaltet auch eine enge
Zusammenarbeit mit Eltern, Erziehungsberechtigten, Jugendamt, psychosozialen Diensten und Instituten der Berufsvorbereitung. Auch unser System hat seine Grenzen. Diese liegen da, wo Schüler sich langfristig dem
o.g. Angebot entziehen bzw. sich verweigern. Kommt es zu keiner konstruktiven Zusammenarbeit mit dem Schüler, kann es im Einzelfall nötig sein, ein Ruhen der Schulpflicht auszusprechen. Ausgangspunkt,
Einzelgespräche zu führen, war die Erkenntnis im Laufe vergangener Schuljahre, dass Schüler dieser Klasse im Klassenverband nicht genügend ihrer Situation entsprechend behandelt werden können. Wir stellten
fest, dass neben Klassenunterricht gehäuft Einzelsituationen geschaffen werden mussten, die erzieherische und planerische Arbeit in kleinen Schritten mit dem einzelnen Schüler möglich machen. Diese Gespräche
finden mit dem Schüler, den Klassenlehrern und den Schulsozialarbeitern in einem bedarfsorientiert abgestimmten Zeitraum statt (wöchentlich bis zu einem max. Abstand von 6 Wochen). In den Einzelgesprächen
geht es gemeinsam mit dem Schüler darum, Perspektiven zu erarbeiten und kleinschrittige Ziele zu formulieren. Die Ziele betreffen Unterricht, berufliche Perspektiven und erzieherische Maßnahmen. Unserer Arbeit
liegen die Schulordnung sowie die Klassenregeln zugrunde. Da jeder unserer Schüler schon eine individuelle Geschichte hinter sich hat, nehmen wir seine derzeitige Situation als Ausgangslage an, um ein individuelles
Förderprogramm zu erarbeiten, das innerhalb des bestehenden Systems machbar ist. Wir haben folgende Möglichkeiten der individuellen Förderung:
- Reduzierte Unterrichtszeiten mit dem Ziel, den Schüler zu
stabilisieren und zu integrieren. (In diesem Fall sind gehäuft Einzelgespräche nötig, um Ziele zu überprüfen und zu verändern.)
- Reduzierung auf bestimmte Unterrichtsfächer. Dies sind
insbesondere die Fächer: Mathe, Deutsch, Arbeitslehre, Sport, Werken, neue Technologien und Hauswirtschaft.
- Individuelle Lehrpläne, da die Gruppe sehr heterogen ist.
Wenn ein Schüler z. B. nicht in der Lage ist, sich am Unterricht über einen gewissen Zeitraum störungsfrei zu beteiligen, werden in den Einzelgesprächen kleinschrittige Handlungsmöglichkeiten mit ihm
abgesprochen. In der Umsetzung dessen gehen wir von der Toleranz aller anderen Schüler gegenüber den vermeintlichen Freiheiten bzw. Alternativen (kurze Arbeitsphasen, mehr Pausen, Billard, Musik hören, lesen
etc.) aus. Unser Ziel ist es nicht, aus der heterogenen Gruppe eine homogene Gruppe bezüglich ihrer Ziele zu machen.
- Motivation der Arbeitsbereitschaft. Im Vordergrund stehen
zu Beginn Ziele wie "sich wohl fühlen", "sich auf andere einlassen", "sich zeigen dürfen". Wir schaffen einen Rahmen, wo Schüler Schule anders erleben als bisher:
- Schule ohne Leistungsdruck - Schule ohne Druck von Mitschülern
- Schule, die Probleme thematisiert und nach Lösungen sucht - Schule, die in der Misserfolgsorientierung sich reduziert und jeder die Möglichkeit hat, nicht nur durch schulische Leistungen Erfolge zu haben
- Schule, in der jeder seine Position findet - Zusammenarbeit mit Hauptschule zwecks Rückschulung
Ein Großteil unserer Arbeit besteht darin, alternative Lösungen
zum Unterricht mit und für den Schüler zu suchen und zu finden. Werden Lösungen in anderen Institutionen gefunden, so begleiten wir die Schüler in diese und betreuen sie ggf. anschließend. Institutionen dieser
Art sind z. B. Jugendwerkstatt, Jugendberatung, Jugendamt, Drogenberatung, Berufskolleg, Jugendgerichtshilfe, Kripo u.a. Helfersysteme. Diese Begleitung findet im Austausch mit den Eltern statt. Zusätzlich
führen wir regelmäßige bedarfsorientierte Elterngespräche durch, an denen Lehrer sowie Schulsozialarbeiter teilnehmen. Das kann wöchentlich bis vierteljährlich sein. Im Einzelfall werden auch
Einzelfallhelfer bzw. Jugendamt und Kripo einbezogen. In der Berufsorientierung haben die Schüler je nach Bedarf die Möglichkeit in Form von:
2x jährlich Praktikum
Tagespraktikum (z. B. 1 Tag Praktikum, 4 Tage Unterricht)
Langzeitpraktikum - mit dem Ziel, darüber eine Arbeits- bzw. Ausbildungsstelle zu erhalten.
Während eines Langzeitpraktikums finden bedarfsorientiert statt: - regelmäßige Termine mit Schulsozialarbeitern
- regelmäßige Termine mit Lehrern - Wochenplanarbeit
- Einzelunterricht
Kennen lernen von nachschulischen Einrichtungen über Besuche, Praktikum und Einführung in Maßnahmen, um Hemmschwellen
zu verringern (Kontakt mit Schulsozialarbeitern des Berufskollegs)
Einzelberatung durch das Arbeitsamt unter Einbezug der Eltern
Einzelberatung in der Jugendberatung unter Einbezug der Eltern
Auch im Rahmen der Berufsorientierung arbeiten wir eng mit den
Eltern, Jugendamt, Schulsozialarbeitern, etc. zusammen, um Schüler zu unterstützen und das Erziehungssystem zu begleiten.
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